Martin Kloza

Zur Person

Martin Kloza ist Historiker und seit 2023 wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie Doktorand am Nachwuchskolleg Europa des Clusters für Europaforschung (CEUS). 

Er studierte Germanistik und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum sowie der Université de Tours (Frankreich), wo er im Rahmen des Integrierten Studiengangs Geschichte einen binationalen Master of Arts / master recherche abschloss. 

Neben Lehrtätigkeiten im Bereich Deutsch als Fremdsprache sowie der germanistischen Linguistik war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Zuletzt, von 2018 bis 2023, arbeitete er als Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der Université de Lille in Frankreich. 

Aktuell ist ein Cotutelle-Verfahren mit Prof. Dr. Emmanuel Droit von der Sciences Po Strasbourg in Vorbereitung. 

Das Dissertationsprojekt

 

Volksdeutsche, Westfalczycy, Français·es naturalisé·e·s? Die polnischstämmige Minderheit in Nordfrankreich im Kontext von Migration, Besatzung und Kollaboration, 1938-1948


Im Dissertationsprojekt werden die Motivationen und Handlungsmöglichkeiten der Mitglieder der Volksdeutschen Kulturgemeinschaft Nordfrankreich (VDK) untersucht, eines Organs, das vom deutschen Besatzer 1942 ins Leben gerufen wurde, um die Germanisierung der Bevölkerung in der Region Nord/Pas-de-Calais (Frankreich) zu unterstützen sowie ihr Schutz und Vorteile im Alltag zu bieten (etwa bei Lebensmittelzuteilungen). Potenzielle Kandidat:innen entsprangen der polnischen Minderheit, die ab den 1920er Jahren nach Frankreich emigriert war und der man ihrer Herkunft wegen (u.a. Ruhrgebiet, Schlesien) Zugehörigkeit zur ‚Volksgemeinschaft‘ zuschrieb. Viele Mitglieder dieser nur scheinbar homogenen Gemeinschaft unterlagen dabei indirektem Zwang oder nutzten die Gelegenheit, um die Kriegszustände besser zu überstehen, ohne sich mit der ihnen angehefteten Volkszugehörigkeit zu identifizieren. Nach der Libération wurde die Gruppe der épuration unterzogen, den ‚Säuberungs‘-Verfahren der französischen Justiz gegen Kollaborateur:innen. 

Das Projekt verfolgt einen transnationalen Ansatz, der das Forschungsthema nicht im nationalen Kontext betrachtet, sondern zum einen nach Verflechtungen zwischen betroffenen Ländern, Regionen, kurzum Räumen sucht, zum anderen werden dabei Quellen und Literatur in allen relevanten Sprachen herangezogen. Im Mittelpunkt stehen die Akteur:innen vor dem Hintergrund dreifacher nationaler Selbst- als auch Fremdzuschreibungen sowie den mit dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzung Frankreichs einhergehenden Bedingungen. Die Institutionen bilden folglich den Rahmen, innerhalb dessen sich besagte Akteur:innen bewegten. 

 

Betreuer: Fabian Lemmes (Universität des Saarlandes) / Emmanuel Droit (Sciences Po Strasbourg)